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Grammatik-Glossar

Grammatik-Glossar

Das 'Gramm-Gloss' gibt dir einen Einblick in einige Phänomene der deutschen Sprache. Hier kannst du Informationen zur Grammatik, Phonetik, Wortbildung und Semantik nachschlagen.



Sie können das Glossar unter Verwendung des Index durchsuchen.

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S

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Sprachregister sind für jede Sprache unterschiedlich. Sie zu kennen ist wichtig, um den passenden Ausdruck in jeder Situation verwenden zu können. Es gibt für fast jede Situation einen treffenden Ausdruck.Wenn jemand in einer Situation ein Wort aus einem Sprachregister wählt, das nicht der Situation angepasst ist, kann das sehr unangenehm, peinlich aber manchmal auch lustig sein.

Ein Sprachregister wählt man meist mit einer bestimmten stilitischen oder rhetorischen Absicht aus. In einem Gespräch mit dem Chef bzw. der Chefin oder in einem Gespräch, in dem es darum geht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sollte man z.B. besonders umgangssprachliche und teilweise auch regionale Wörter vermeiden. Hier wählt man meist formelle Ausdrücke. Besonders amüsant kann es dagegen sein, wenn man in der gesprochenen Sprache viele Wörter verwendet, die eher zum poetischen oder veralteten Sprachgebrauch gehören.

Hier findest du eine kleine (nicht vollständige) Übersicht von Kategorien der Sprachregister. Es ist nicht immer möglich, ein Wort einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Oft überschneiden sie sich oder Wörter können teilweise mehreren Kategorien zugeordnet werden. Darum ist diese Tabelle nur ein Beispiel.

Register
Erläuterung und Beispiel
gesprochene Sprache
Sie ist oft gekennzeichnet durch die Verwendung neutraler und umgangssprachlicher Ausdrucksmittel: Widerspruch, besprechen, doof, abrackern
geschriebene Sprache Sie ist oft gekennzeichnet durch die Verwendung von Wörtern des gehobenen, formellen Sprachgebrauchs: Diskrepanz, erörtern
veraltet

veraltend
Ausdrücke, die im Deutschen zwar nicht mehr verwendet, aber durchaus noch verstanden werden: Abort (Toilette)
Ausdrücke, die eher von älteren Generationen verwendet werden: Leibesübungen (Sport)
poetisch Diese Ausdrücke kommen besonders häufig in lyrischen Texten vor: Anlitz, Lenz
regional Ausdrücke, die nur in bestimmten Regionen verwendet werden und zu einem bestimmten Dialekt gehören, z.B. im Süden oder, Norden Deutschlands, in der Schweiz oder in Österreich: Bub (Junge), Feudel (Tuch zum Aufwischen), Natel (Handy), Jänner (Januar)
formell
Ausdrücke, die sowohl in der gesprochenen, als auch in der geschriebenen Sprache verwendet werden und zum förmlichen Sprachgebrauch gehören und den für eine 'gewählen Ausdrucksweise' stehen: Bewirtung, wohnhaft sein
neutral Dies sind alle Begriffe und Ausdrücke, die keinem Register angehören und zum neutralen Sprachgebrauch gehören.
umgangssprachlich oder salopp
Ausdrücke, wie sie oft zwischen FAmilienmitgliedern und Freunden in zwangloser Unterhaltung, aber auch in privaten Briefen oder E-Mails etc. verwendet werden: aufgemschmissen sein, jmd. übers Ohr hauen, flennen, Bruchbude
abwertend oder beleidigend
Ausdrücke, die allgmein als vulgär, bleidigend und abwertend empfunden werden und darum als tabu gelten: Fresse, krepieren
ironisch oder humorvoll
Ausdrücke, die scherzhaft oder ironisch verwendet werden, d.h. bei denen der Sprecher eigentlich das Gegenteil dessen meint, was er sagt: Eierkopf, Gequassel
fachsprachlich Ausdrücke, die zu einem bestimmten Fachbereich gehören und von Laien in der Regel nicht benutzt werden, z.B. Begriffe aus der Medizin, Landwirtschaft, Architektur, Chemie, Mechanik u.v.a.: Tympanum (Mittelohr), Dreschmaschine, Aggregatzustand

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Ein Synonym ist ein Wort, das dieselbe oder eine ähnliche Bedeutung hat wie ein anderes Wort.

Ein Synonymwörterbuch kann beim Verfassen eines Textes helfen.



1. In seltenen Fällen sind die synonymen Wörter in allen Kontexten austauschbar und unterscheiden sich im Gebrauch nicht.

Ich komme am Samstag / Sonnabend.
Ich habe eine Apfelsine / Orange gegessen.


2. In den meisten Fällen kann ein Wort nicht in jedem Kontext oder Zusammenhang durch ein Synonym ausgetauscht werden.


Ich habe einen Brief
bekommen / erhalten.

Hier kann das Verb bekommen durch erhalten ausgetauscht werden. Die Bedeutung bleibt gleich.

Ich habe einen Schnupfen
bekommen / erhalten.

Hier kann das Verb bekommen nicht durch erhalten ausgetauscht werden.

Ein Wort kann in einem Dialekt ein oder mehrere Synonyme haben. Das Synonym ist meist nur in der Region bekannt oder üblich, wo dieser Dialekt gesprochen wird.

Pilz
(Hochsprache) / Schwammerl (Dialekt: süddt., Österreich, Schweiz)


Ein Wort kann in einem anderen sozialen Umfeld ein oder mehrere Synonyme haben.

Geld (neutral) / Moos, Piepen, Kies, Moneten (umgangssprachlich)

Für eine Bedeutung kann es aus politischen Gründen verschiedene Wörter geben.

Team (BRD) / Kollektiv (DDR)

Ein Wort kann ein Synonym haben, das eine stilistische Bedeutung trägt.

Raum (neutral) / Gemach (großer Wohnraum in Burg oder Schloss)

Ein Wort kan
n in einer Fachsprache ein Synonym haben.

bedeutungsgleich (Hochsprache) / synonym (Fachsprache)



Synonyme entstehen:

- weil Dialekt und Hochsprache nebeneinander existieren
- weil Hochsprache, Umgangssprache und Fachsprache nebeneinander existieren
- durch euphemistsiche Umschreibung (sterben / entschlafen)
- durch Übernahme von Fremdwörtern (Stockwerk / Etage [frz.])

Quelle: Bußmann, Hadumod (1990). Lexikon der Sprachwissenschaft.