Druckerfreundliche Version

Hörbuch-Lexikon

.

Das 'HöBu-Lex' gibt dir Informationen rund um das Medium Hörbuch.



Sie können das Glossar unter Verwendung des Index durchsuchen.

A | Ä | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N
O | Ö | P | Q | R | S | T | U | Ü | V | W | X | Y | Z
Alle
Aktuelle Sortierung Vorname (aufsteigend) Sortiert nach: Nachname | Vorname ändern nach (absteigend)

Nutzerbild Berit Scheler

Berit Scheler

:
Ebenso, wie man ein Bild schön und ästhetisch finden kann, kann man auch eine Stimme und eine Sprechweise als ästhetisch ansprechend beurteilen. Ob und wie ein Hörtext für das Ohr 'schön' klingt, hängt von vielen Faktoren ab.

Eine als schön empfundene Stimme ist ausschlaggebend für den Erfolg einer Hörbuchproduktion. Dabei ist es nicht nur individuell sehr unterschiedlich, was eine schöne Stimme ausmacht, sondern es ist auch an Zeit- und Raumgrenzen gebunden. Z.B. galten früher eher hohe Stimmen als schön, heute ist es eher umgedreht. In anderen Ländern und anderen Sprachen und anderen Kulturkreisen gelten wieder andere "Regeln für eine schöne Stimme". Es gibt also bei Stimmen auch so etwas wie eine Mode.

Das Klangbild einer fremden Sprache kann für einen Fremdsprachenlerner sehr ungewöhnlich sein. Die Sprache selbst hat auch einen Einfluss auf die Stimme. Z.B. sprechen viele asiatische Stimmen in höheren Tonlagen und Franzosen sprechen mit einem größeren Stimmumfang als Deutsche. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es stimmliche Unterschiede.




aus: Schnickmann, Tilla (2007): Von Sprach- und Sprechkunstwerk. Die Stimme im Hörbuch: Literaturverlust oder Sinnlichkeitsgewinn? In: Rautenberg, U.: Das Hörbuch. Stimme und Inszenierung. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag. 27ff
:
In manchen Hörbüchern wird der Hörtext noch mit Geräuschen begleitet. Ist das der Fall, spricht man eher von einem Hörspiel (siehe Eintrag unten). Die Geräusche können hilfreich sein, um den Hörtext zu verstehen. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf bestimmte Textpassagen und können so auch wichtige Textstellen hervorheben.

Geräusche sind wie Bilder in einem Lesetext - sie unterstützen das Verstehen und lassen auch im Kopf ein bestimmtes Bild von der gehörten Situation entstehen und rufen Assoziationen hervor.

Geräusche können unterschiedlicher Art sein. Sie können echt (jemand nimmt das Geräusch auf, wenn ein Frosch gegen die Wand geworfen wird) oder künstlich sein (jemand erzeugt dieses Geräusch, indem er z.B. ein nasses Tuch gegen die Wand wirft). So entstehen Hörobjekte, Geräuschteppiche, Klangteppiche, Hörumwelten oder ganze Toncollagen.
:
Ein Hörbuch ist ein analoger oder digitaler Tonträger, auf dem gesprochener Text gespeichert ist. Dargeboten wird dieser Text meistens von einer einzigen Person. Der Hörtext wird vorgetragen.

Man unterscheidet zwei Typen von Hörbüchern:
(1) Es gibt Hörbücher, die von Anfang an für eine Hörbuchproduktion geschrieben worden sind und dann meistens auch nur in dieser Form vorliegen.
(2) Andere Hörbücher gehen auf geschriebene Texte zurück. Heutzutage ist es fast schon üblich, dass ein Roman, der als Buch erschienen ist, wenig später auch als Hörbuch zu kaufen ist.

Die Hörbücher, die zu (2) gehören, wurden also ursprünglich für eine ganz andere Form der Rezeption geschaffen. D.h. einen Roman liest man, ein Hörbuch aber hört man. Ob jemand einen Text aber liest oder ob er ihn hört, kann ganz unterschiedliche Wirkungen haben.
:
Ein Hörspiel unterscheidet sich in manchen Punkten von einem Hörbuch. Ein Text in einem Hörspiel wird meistens von mehreren Personen gelesen. Manchmal kann ein einzelner Sprecher aber auch seine Stimme so verstellen, dass es wie mehrere Sprecher klingt. Bei einem Hörspiel wird der Hörtext aufgeführt.

Es ist also wie eine Aufführung im Theater, bei der die Sprecher und Sprecherinnen die Schauspieler und Schauspielerinnen sind. Musik und Geräusche ersetzen das Bühnenbild und alle anderen Dinge, die man im Theater optisch wahrnimmt und im Hörspiel aber fehlen.
:
Hörtexte werden oft von Musik begleitet. Meistens findet man dieses Stilmittel in Hörspielen. Musik erzeugt eine ganz bestimmte Stimmung und kann damit ebenso wichtig sein wie die Sprecherstimme. Zusammen ergeben Musik und Stimme eine Komposition, die auf den Hörer eine Wirkung hat. Je nachdem, wie die Musik eingesetzt wird, versetzt es den Hörenden in eine bestimmte Atmosphäre. Meistens steckt auch die Absicht der Hörbuchproduzenten dahinter, eine ganz bestimmte Stimmung herzustellen. Ob das gelingt, hängt aber ganz vom Hörer ab. Denn die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und so kann eine Komposition aus Stimme und Musik dem einen gefallen und dem anderen überhaupt nicht.
:
Jeder Hörtext unterscheidet sich je nach Sprecher oder Sprecherin. Das Sprechen eines Textes ist eine Form der Interpretation. Man kann hören, wie der Vorleser/die Vorleserin zu dem Text, den er oder sie liest, steht. Das bedeutet, man kann hören, welche Gedanken sich der Sprecher/die Sprecherin zu dem Text gemacht hat, welche Gefühle er/sie dazu hat, welche Textstellen für ihn/sie besonders wichtig sind und wie er/sie den Text deutet und versteht.

Ob ein Mann oder eine Frau einen Text vorliest wirkt sich ebenso auf das Hörbuch aus wie das Alter des Vorlesenden und die Erfahrungen, die er oder sie mit damit hat, in ein Mikrofon zu sprechen. Wenn der Verfasser selbest den Text vorliest, hat das ebenfalls einen Einfluss auf die Wirkung. Außerdem klingt ein Hörtext ganz anders, wenn ihn mehrere Leute vorlesen. Manche Stimmen passen einfach gut zusammen, während andere Stimmen weniger gut harmonisieren.
Wie subjektiv eine solche Meinung aber ist, zeigen diese Zitate zu Hörbuchrezensionen:

"Mir ging[en] die quengelig-näselnde Stimme von Anthony Bruno (alias Bruno Wawrczek) [...] schlicht auf die Nerven."

"Christian Brückner könnte wahrscheinlich aus dem Telefonbuch vorlesen, und es würde noch wundervoll klingen."




aus: Schnickmann, Tilla (2007): Von Sprach- und Sprechkunstwerk. Die Stimme im Hörbuch: Literaturverlust oder Sinnlichkeitsgewinn? In: Rautenberg, U.: Das Hörbuch. Stimme und Inszenierung. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag. 28 und 38ff