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àErzählte Rede: Dieser Modus liegt vor, wenn die Worte einer Figur erkennbar von einem Erzähler, also mittelbar wiedergegeben werden. Man erkennt sie daran, dass der Erzähler deutlich von den Worten der Figur, die diese (vermeintlich) in der erzählten Welt spricht, abweicht - indem er sie weglässt, zusammenfasst oder anderweitig verändert. Je nach Ausführlichkeit gibt es zwei Varianten:

Erwähnung des sprachlichen Akts: Nur das Stattfinden eines sprachlichen Akts wird vom Erzähler berichtet. Der Inhalt wird dabei nicht genauer spezifiziert.

Redebericht: Ein sprachlicher Akt wird vom Erzähler berichtet und dessen Inhalt allgemein wiedergegeben.

à Transponierte Rede: Dieser Modus liegt vor, wenn der Erzähler auf bestimmte und eng begrenzte Art erkennbar an der Präsentation der Worte einer Figur beteiligt ist, indem er sie nämlich in eigene Rede überführt.

Dabei ist eine Form der Wiedergabe von Worten auszumachen, die zwischen narrativem und dramatischem Modus liegen: Dort wird Figurenrede nicht erzählt oder zitiert, sondern transponiert.

Zu unterscheiden sind dabei zwei Arten der Transponierung, die gleichermaßen für Worte wie auch für Gedanken Verwendung finden können:

Indirekte Rede (oratio obliqua): Erzählerische Redewiedergabe in der 3. Person Präsens Konjunktiv (bei Ich-Erzählung: in der 1. Person für das erlebende Ich), ohne Innensicht, mit der Möglichkeit kommentierender Einmischung, in vollständiger Syntax ohne Anführungs-, Ausrufe- und Fragezeichen.

Der Inhalt der Figurenrede bzw. der Gedanken bleibt zwar erhalten, nicht jedoch ihr Wortlaut, da das Gesagte einem anderen Sprecher, dem Erzähler, als Inhalt eines „dass“-Satzes im Konjunktiv zugeordnet wird.

Erlebte Rede: Erzählerische Redewiedergabe in der 3. Person Präteritum Indikativ, mit Innensicht und der Möglichkeit kommentierender Einmischung, aber ohne ‚verba dicendi et sentiendi’, in vollständiger Syntax (Ausnahme: Interjektionen) und mit unbeschränkter Interpunktion, jedoch ohne Anführungszeichen.

In erlebter Rede bleiben zwar der Wortlaut und die Ausdrucksqualität des von der Figur Gesagten weitgehend erhalten, werden aber (mitunter in fließenden Übergängen) in den Erzählerbericht samt dessen Tempus und Syntax eingebettet. Erlebte Rede ist somit zwar weniger narrativ als indirekte Rede, auch sie bleibt aber letztlich formal dem Erzähler zugeordnet.

à Zitierte Rede: Dieser Modus liegt vor, wenn die Worte einer Figur ohne (wesentliche) Eingriffe durch den Erzähler wiedergegeben werden.

Die zitierte Figurenrede zur Wiedergabe von Worten einer Figur kann entweder ohne Markierungen des Zitierten und/oder Sprechernennungen bzw. inquit-Formeln auskommen (autonome direkte Figurenrede), sie kann diese aber auch nutzen und so das Zitierte als Zitiertes markieren (direkte Figurenrede).

In beiden Fällen entsteht der Eindruck, daß die Worte bzw. ganze Gespräche der Figuren direkt, unvermittelt und szenisch wiedergegeben werden.

Autonome direkte Rede: Wie direkte Rede, aber ohne verba dicendi, evtl. sogar ohne Anführungszeichen.

Direkte Rede (oratio recta): Erzählerische Redewiedergabe in der 1. bzw. 2. Person Präsens Indikativ (als Basistempus), ohne Innensicht und kommentierende Einmischung, in vollständiger oder bei Bedarf beliebig unvollständiger Syntax. Eingeleitet mit einem verbum dicendi.

 

 

 

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