Samstag, 23. September 2017, 06:04

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Glossar: Grammatik-Glossar

D

:

Von vielen Substantiven kann man mit Hilfe von Suffixen Verkleinerungsformen bilden. Das nennt man Diminution.

Um Verkleinerungsformen zu bilden, hängt man in der Regel ein Suffix an.

1. Suffix -chen: ein Tier > ein Tierchen; ein Heft > ein Heftchen
Das Suffix
-chen wird vermieden, wenn das Substantiv auf -g oder -ch endet.

2. Suffix -lein: ein Tisch > ein Tischlein; ein Bett > ein Bettlein
Das Suffix
-lein wird vermieden, wenn das Substantiv auf -l endet.

3. Es gibt Regionen im deutschsprachigen Raum, in denen die Suffixe in anderen Formen auftreten:

Katze > Kätzle; Tisch > Tischerl; Mann > Männeken; Auge > Äugelchen

Wichtige Regeln bei der Bildung:
  • Substantive mit einer Diminutivendung sind immer neutrum
  • die Endungen -e und -en des Grundwortes verschwinden
  • die Vokale des Grundwortes erhalten in der Regel einen Umlaut
  • Substantive mit Diminutivendungen bleiben im Plural unverändert

Beispiele:

  • der Baum > das Bäumchen
  • der Kuss > das Küsschen
  • die Stunde > das Stündlein
  • die Blume > das Blümlein
  • der Garten > das Gärtchen
  • das Blümchen (Sg.) > die Blümchen (Pl.)
  • das Dächlein (Sg.) > die Dächlein (Pl.)

Bedeutung und Funktion der Diminution:

Verkleinerungsformen können sagen,...

1. ...dass etwas besonders klein ist.
die Kanne > das Kännchen


Kännchen









2. ...dass etwas niedlich ist.
die Katze > das Kätzchen

.

3. ...dass etwas fein oder grazil ist.
die Hand > das Händchen



4. ...dass man etwas ironisch meint.
Die ironisierende Verwendung der Dimunutiva hat eine negative Bedeutung. Es ist besser, diese nicht zu benutzen, weil es verletzend und missverständlich sein kann. Eine ironische Bedeutung kann man meist nur im Kontext erkennen, d.h. im Zusammenhang des Textes oder der Kommunikationssituation.
der Mann > das Männchen


M

:

Es gibt verschiedene Arten von Mehrdeutigkeit bei Wörtern:

(1) Homonymie:

Dabei sind die Bedeutungen eines Wortes so verschieden, dass sie (anders als bei Polysemie) in keinem erkennbaren begrifflichen Zusammenhang mehr stehen:

die Kiefer (eine Baumart) – die Kiefer (Knochen des Kopfes)

Sie sind meist durch grammatische Unterschiede gekennzeichnet. Man kann Homonyme z.B. daran erkennen, dass sie verschiedene Pluralformen oder Artikel haben:

die Bank/die Bänke (Sitzmöbel) – die Bank/die Banken (Geldinstitut)

der Band (Ausgabe eines Buches) – das Band (ein Textil)

Homonyme sind auch Wörter, die gleich geschrieben werden, aber unterschiedliche ausgesprochen werden. Dann spricht man von Homographie:

modérn (aktuell) – módern (verfaulen) oder übersetzen (einen Text) übersetzen (mit dem Boot)

Außerdem sind Homonyme auch Wörter, die unterschiedlich geschrieben, aber gleich ausgesprochen werden. Dann spricht man von Homophonie:

die Wende (polit. Ereignis in Deutschland) – die Wände (Raumbegrenzung)


(2) Polysemie

Dabei kann man die einzelnen Wörter durch Assoziationen miteinander in Verbindung bringen. Sie haben eine gemeinsame Wurzel oder sind aus derselben Vorstellung heraus entstanden. Es gibt also eine Grundbedeutung, die für alle Wörter zählt:

die Maus (Tier) – die Maus (Computerzubehör)

Manchmal ist der Unterschied zwischen einem Homonym und einem Polysem nicht ganz klar. Denn bei manchen Wörtern kennen wir heute nicht mehr ihre Geschichte:

der Hahn (Tier) – der Hahn (Wasserregler)

Früher hat man noch die Regler an einem Waschbecken noch in der Form eines Hahnenkopfes gestaltet. Darum ist es ein Polysem.


Tipp für das Teekesselchen-Spiel: Am besten ist es, ihr einigt euch vorher, welche Arten von mehrdeutigen Wörtern ihr erraten wollt, wenn ihr das Teekesselchen-Spiel spielt.

P

:
Im Deutschen gibt es drei verschiedene E-Laute:
das kurze offene [ɛ]
das lange geschlossene
[e:] und
das lange offene [ɛ:]


mögliche Grapheme
Beispiel
[ɛ] e
ä

echt, Bett
Äcker, prächtig

[e:] e
ee
eh
edel, leben
Beere
Ehre, lehren, Reh
[ɛ:] ä
äh
Äther, Bäder
ähnlich, allmählich


Wie bildet man die Laute?
Das E ist ein Vorderzungevokal. Das bedeutet, dass die Zunge im Mund nach vorne geht. Die Zungenspitze bleibt dabei im Kontakt zu den unteren Schneidezähnen. Wichtig ist, dass du die Lippen nicht rundest, sonst klingt ein e
[e:] schnell wie ein langes geschlossenes ö [ø:] und ein [ɛ] wie ein kurzes offenes ö [œ]. Probiere es selbst aus!

Der Unterschied zwischen dem kurzen [ɛ] und dem langen [ɛ:] liegt einfach nur darin, wie lang du den Laut sprichst.
[ɛ] und [e:] unterscheiden sich dagegen in der Öffnungsweite des Kiefers.
Sprichst du
[ɛ] sind die Zahnreihen relativ weit auseinander. Vermeide aber, den Mund zu weit zu öffnen, wie du es beispielsweise beim [a] machst.
Sprichst du dagegen ein [e:] musst du diesen Abstand verkleinern, d.h. deinen Mund mehr schließen.

Hier kannst du dir übrigens ganz genau ansehen, wie du den E-Laut (und alle anderen Laute des Deutschen) bildest.
:
Lautgruppe
Phoneme
Grapheme
Beispiele
VOKALE
A-Laute

[a:]



[a]

a
ah
aa

a

baden
Bahn
Staat

Klasse
I-Laute
[i:]



[ɪ]

i
ie
ih
ieh

i
Kino
sieben
ihr
Beziehung

Bitte
E-Laute
[e:]



[ɛ]


[ɛ:]

e
eh
ee

e
ä

ä
äh
Weg
sehen
Tee

stellen
kräftig

spät
zählen
O-Laute
[o:]



[ɔ]
o
oh
oo

o
Brot
wohnen
Boot

voll
U-Laute
[u:]

[ʊ]


u
uh

u
Buch
Stuhl

Gruppe
Ö-Laute
[ø]


[œ]
ö
öh

ö
lösen
fröhlich

Löffel
Ü-Laute
[y:]



[ʏ]
ü
üh
y

ü
y
Schüler
früh
Typ

Glück
Ypsilon
reduzierte Vokale
[ə]

[ɐ]

[ɐ̭]

e

er

r
beginnen

Verkäufer

Ohr
Diphtonge
[aɪ̯]




[aʊ̯]

[ɔʏ̯]
ei
ai
ey
ay

au

eu
äu
Wein
Mai
Meyer
Bayern

Auge

heute
Träume
KONSONANTEN
Explosive

[p]



[b]

[t]





[d]

[k]



[g]

p
pp
-b

b

t
tt
-d
th
dt

d

k
ck
g

g

Oper
doppelt
gelb

Ober

Tür
bitte
Hund
Theorie
Stadt

reden

können
Zucker
Weg

liegen
Frikative




















(Ich-Laut)




(Ach-Laut)
[f]



[v]



[s]



[z]

[ʃ]



[ʒ]


[ç]


[j]

[x]
f
ff
v

w
v
q(u)

s
ss
ß

s

sch
st
sp

j
g

ch
-ig

j

ch
Feld
hoffen
Vater

Welt
Visum
bequem

Haus
Tasse
reißen

reisen

Schule
Stufe
Spiel

Journalist
Etage

Licht
Leipzig

Jacke

Buch
R-Laute
[r]
r
rr
rh
rot
Herr
Rhetorik
Nasale
[m]


[n]


[ŋ]
m
mm

n
nn

ng
n(k)
Mann
kommen

Name
Mann

singen
Bank
Liquid
[l] l
ll
Lampe
hell
Hauchlaut
[h] h
Hut
Neueinsatz
[ʔ]
erarbeiten
Affrikaten
[pf]

[ts]





[ks]
pf

z
tz
ts
-t(ion)
zz

x
ks
gs
chs
Pfennig

Zahl
Platz
rechts
Lektion
Pizza

Text
links
du sagst
wachsen

nach: Dieling, H./ Hirschfeld, U. (2000): Phonetik lehren und lernen. Langenscheidt.

R

:

Redewendungen nennt man eine Wortgruppe mit übertragener Bedeutung. Die Wortgruppe besteht aus Worten, die meist nur in dieser Kombination verwendet werden.
Von übertragener Bedeutung spricht man, wenn die Bedeutung der Wortgruppe nicht aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter zu erschließen ist.

z.B. Jemand sagt überrascht: "Mich tritt ein Pferd" / "Ich glaub, mich tritt ein Pferd".

Das bedeutet, jemand glaubt etwas nicht, was er/sie sieht oder hört.

Das bedeutet nicht, das jemand tatsächlich von einem Pferd getreten wird. 

Eine Redewendung nennt man auch: Phraseologismus, idiomatische Wendung, Redensarten, Idiome, geflügelte Worte. Sie stehen auch in Wörterbüchern.

Exkurs: Eine Kollokation ist ebenfalls eine feste Wendung, d.h. die Wörter werden immer in dieser Kombination verwendet. Die Bedeutung dieser Wortgruppen kann man jedoch aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter erschließen. Eine Kollokation hat also keine übertragene Bedeutung.

z.B. Zähne putzen - Man kann nicht sagen: Zähne waschen.

S

:
Sprachregister sind für jede Sprache unterschiedlich. Sie zu kennen ist wichtig, um den passenden Ausdruck in jeder Situation verwenden zu können. Es gibt für fast jede Situation einen treffenden Ausdruck.Wenn jemand in einer Situation ein Wort aus einem Sprachregister wählt, das nicht der Situation angepasst ist, kann das sehr unangenehm, peinlich aber manchmal auch lustig sein.

Ein Sprachregister wählt man meist mit einer bestimmten stilitischen oder rhetorischen Absicht aus. In einem Gespräch mit dem Chef bzw. der Chefin oder in einem Gespräch, in dem es darum geht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sollte man z.B. besonders umgangssprachliche und teilweise auch regionale Wörter vermeiden. Hier wählt man meist formelle Ausdrücke. Besonders amüsant kann es dagegen sein, wenn man in der gesprochenen Sprache viele Wörter verwendet, die eher zum poetischen oder veralteten Sprachgebrauch gehören.

Hier findest du eine kleine (nicht vollständige) Übersicht von Kategorien der Sprachregister. Es ist nicht immer möglich, ein Wort einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Oft überschneiden sie sich oder Wörter können teilweise mehreren Kategorien zugeordnet werden. Darum ist diese Tabelle nur ein Beispiel.

Register
Erläuterung und Beispiel
gesprochene Sprache
Sie ist oft gekennzeichnet durch die Verwendung neutraler und umgangssprachlicher Ausdrucksmittel: Widerspruch, besprechen, doof, abrackern
geschriebene Sprache Sie ist oft gekennzeichnet durch die Verwendung von Wörtern des gehobenen, formellen Sprachgebrauchs: Diskrepanz, erörtern
veraltet

veraltend
Ausdrücke, die im Deutschen zwar nicht mehr verwendet, aber durchaus noch verstanden werden: Abort (Toilette)
Ausdrücke, die eher von älteren Generationen verwendet werden: Leibesübungen (Sport)
poetisch Diese Ausdrücke kommen besonders häufig in lyrischen Texten vor: Anlitz, Lenz
regional Ausdrücke, die nur in bestimmten Regionen verwendet werden und zu einem bestimmten Dialekt gehören, z.B. im Süden oder, Norden Deutschlands, in der Schweiz oder in Österreich: Bub (Junge), Feudel (Tuch zum Aufwischen), Natel (Handy), Jänner (Januar)
formell
Ausdrücke, die sowohl in der gesprochenen, als auch in der geschriebenen Sprache verwendet werden und zum förmlichen Sprachgebrauch gehören und den für eine 'gewählen Ausdrucksweise' stehen: Bewirtung, wohnhaft sein
neutral Dies sind alle Begriffe und Ausdrücke, die keinem Register angehören und zum neutralen Sprachgebrauch gehören.
umgangssprachlich oder salopp
Ausdrücke, wie sie oft zwischen FAmilienmitgliedern und Freunden in zwangloser Unterhaltung, aber auch in privaten Briefen oder E-Mails etc. verwendet werden: aufgemschmissen sein, jmd. übers Ohr hauen, flennen, Bruchbude
abwertend oder beleidigend
Ausdrücke, die allgmein als vulgär, bleidigend und abwertend empfunden werden und darum als tabu gelten: Fresse, krepieren
ironisch oder humorvoll
Ausdrücke, die scherzhaft oder ironisch verwendet werden, d.h. bei denen der Sprecher eigentlich das Gegenteil dessen meint, was er sagt: Eierkopf, Gequassel
fachsprachlich Ausdrücke, die zu einem bestimmten Fachbereich gehören und von Laien in der Regel nicht benutzt werden, z.B. Begriffe aus der Medizin, Landwirtschaft, Architektur, Chemie, Mechanik u.v.a.: Tympanum (Mittelohr), Dreschmaschine, Aggregatzustand

:

Ein Synonym ist ein Wort, das dieselbe oder eine ähnliche Bedeutung hat wie ein anderes Wort.

Ein Synonymwörterbuch kann beim Verfassen eines Textes helfen.



1. In seltenen Fällen sind die synonymen Wörter in allen Kontexten austauschbar und unterscheiden sich im Gebrauch nicht.

Ich komme am Samstag / Sonnabend.
Ich habe eine Apfelsine / Orange gegessen.


2. In den meisten Fällen kann ein Wort nicht in jedem Kontext oder Zusammenhang durch ein Synonym ausgetauscht werden.


Ich habe einen Brief
bekommen / erhalten.

Hier kann das Verb bekommen durch erhalten ausgetauscht werden. Die Bedeutung bleibt gleich.

Ich habe einen Schnupfen
bekommen / erhalten.

Hier kann das Verb bekommen nicht durch erhalten ausgetauscht werden.

Ein Wort kann in einem Dialekt ein oder mehrere Synonyme haben. Das Synonym ist meist nur in der Region bekannt oder üblich, wo dieser Dialekt gesprochen wird.

Pilz
(Hochsprache) / Schwammerl (Dialekt: süddt., Österreich, Schweiz)


Ein Wort kann in einem anderen sozialen Umfeld ein oder mehrere Synonyme haben.

Geld (neutral) / Moos, Piepen, Kies, Moneten (umgangssprachlich)

Für eine Bedeutung kann es aus politischen Gründen verschiedene Wörter geben.

Team (BRD) / Kollektiv (DDR)

Ein Wort kann ein Synonym haben, das eine stilistische Bedeutung trägt.

Raum (neutral) / Gemach (großer Wohnraum in Burg oder Schloss)

Ein Wort kan
n in einer Fachsprache ein Synonym haben.

bedeutungsgleich (Hochsprache) / synonym (Fachsprache)



Synonyme entstehen:

- weil Dialekt und Hochsprache nebeneinander existieren
- weil Hochsprache, Umgangssprache und Fachsprache nebeneinander existieren
- durch euphemistsiche Umschreibung (sterben / entschlafen)
- durch Übernahme von Fremdwörtern (Stockwerk / Etage [frz.])

Quelle: Bußmann, Hadumod (1990). Lexikon der Sprachwissenschaft.